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Bauwandpoesie

Sie markiert die Grenze zwischen Bestehendem und dem, was im Entstehen begriffen ist. Sie trennt Umgebung und Stadtraum von Baustelle. Dank ihr gibt es ein «Drinnen» und ein «Draussen». Sie verstellt die Sicht und lenkt so die Aufmerksamkeit auf Neues, gibt gleichzeitig gezielte Einblicke frei. Sie sorgt für Sicherheit und verhindert gleichzeitig das Durchkommen auf gewohnten Wegen. Die Rede ist von der Bauwand. Im Falle der Baustelle auf dem Schulgelände Wiesental ist sie mehrere hundert Meter lang und sichert zuverlässig das Gelände ab. 

Der provisorische Charakter und die Leere der Wandfläche erzeugen unwillkürlich eine Spannung. Unaufgefordert werden sie als Plattform für die freie Meinungsäusserung (miss-)verstanden oder gar für persönliche Liebesbezeugungen genutzt.